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Drehbuchschreiben
ist nicht einfach?
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Unerreichbares zu erreichen ist immer mal wieder der Traum fast jedes Menschen. Immerhin haben wir es geschafft, schwer Erreichbares in greifbare Nähe zu rücken: Die Mikrowelle zaubert die aufwendigsten Menüs, Soundprogramme versprechen kompositorische Geniestreiche am Computer, wir Malen nach Zahlen und schreiben, warum nicht auch noch das, nebenbei ein Drehbuch. So schwer kann das ja nicht sein, ein paar trendige Themenschnipsel, munter ausgeborgt aus dem Regal des gerne Genommenen und allzu oft Gesehenen, bestenfalls gewürzt mit leidlich Unterhaltungswert, ein wenig Sex, ein wenig Crime, alles gut abgehangen im Zeitgeistwind und fertig sind 24 Folgen vom ‘Frauenarzt hinterm Leuchtturm’. Der Weg dorthin ist allemal easy, einmal Videothek rauf und runter, das Magendrücken von kiloweise Popcorn und Chips als Überlebensration bei unzähligen Fernseh- und Kinoabenden wird locker hingenommen für den erfolgreichen (logisch!) start up der Autorenkarriere. Was bewegt Menschen, Drehbücher zu schreiben? Warum fängt man damit an? Viele finden es interessant, weil es etwas Neues ist, wenig verwandt mit dem, was man z. B. in der Schule so zu schreiben hatte, zum Frommen der Lehrer und oft weit weg von dem, was man gerne gesagt hätte. Andere reizt die Aussicht, ein eigenes Werk verfilmt zu sehen, überhaupt, Film und Fernsehen, Millionen Menschen erreichen, unterhalten, begeistern... Die auf dem Teppich bleiben focussieren vielleicht eher die objektiv ja durchaus vorhandenen Verdienstaussichten. Allen gemeinsam dürfte der Wunsch sein, sich zu verwirklichen, was ja legitimerweise, zumindest am Anfang, immer auch das schreibtastende Suchen nach den eigenen Möglichkeiten und Inhalten mit einschließt. Wer hier nicht lange genug tastet, wer mit Siebenmeilenstiefeln den Nebel des Beginnens und Lernens durchhasten will, prallt mit Sicherheit und desillusionierender Wucht an die Steilwand der Realität (Genies ausgenommen): eine Fülle von Regeln, Gesetzmäßigkeiten, formalen Aspekten und Rahmenbedingungen, die es drehbuchschreibend zu berücksichtigen gilt, ganz zu schweigen von einem Markt, der die Inhalte mitbestimmt. Man traut sich es so deutlich ja gar nicht zu sagen: für die Film- und Fernsehindustrie zu schreiben bedeutet doch in hohem Maße auch, Geschichten nach Maß zu verfertigen. Wäre das alles, würde dieser Satz ergänzungslos so stehen bleiben, dann wäre es in der Tat relativ einfach mit der Drehbuchschreiberei, siehe oben, Videothek rauf und runter, Versatzstücke in den Mixer, quirlen, servieren und auf geneigte Redakteure und Produzenten hoffen. Bei einer solchen, zugegeben etwas zynischen Beschreibung des Drehbuchschreibens bliebe ein Aspekt unberücksichtigt, nämlich der Blick auf das, was ein Werk mit Leben erfüllt und dem Autor zu einem dauerhaften Erfolg verhilft: Begabung, Orginalität, Leidenschaft, Geduld, Selbstkritik, Handwerk und Ausdauer. Die tatsächlich empfundene Notwendigkeit, kreativ zu sein. Die Bereitschaft, um der Sache willen Arbeit, Zeit und vielleicht sogar Geld zu investieren. Das alles ist doch selbstverständlich? Oft gesagt und längst bekannt? Oft gesagt vielleicht, aber, und das ist ein Erfahrungswert aus unserer Praxis, mitnichten verinnerlicht. Vielleicht hat es ja mit der Kurzlebigkeit zu tun, die dem Gros der Endprodukte anhaftet, die bei vielen Drehbuchautorenaspiranten den Eindruck entstehen läßt, das Schreiben eines Drehbuches sei, z.B. im Vergleich zum Roman, leichter zu bewerkstelligen, mit weniger professionellem Können, mit weniger Einsatz und Engagement. Sicherlich suggeriert das Massenmedium Fernsehen mit seinen in die Breite gehenden Identifikationsmöglichkeiten auch, daß es einfach ist, vom Konsumenten zum Lieferanten zu werden. Daß gerade die Geschichten, die scheinbar direkt an der Wirklichkeit, mit all ihrer spannenden, unterhaltsamen, plausiblen, absurden, kurz: lebendigen Vielfalt, entlanggeschrieben sind und viele Menschen überzeugen, keinesfalls vom Leben, sondern von einem guten Autor oder Autorenteam geschrieben wurden, ist vielen nicht bewußt. Hier Überzeugungsarbeit zu leisten ist eine wesentliche Aufgabe gerade der Drehbuchbranche. Ohne Begabungen zu blockieren oder Engagement zu ersticken ist es notwendig, Klartext zu reden: Drehbuchschreiben ist nicht einfach. Legende / Bildunterschrift Oliver Mahn, Geschäftsführer der INTERSPHERIAL PICTURES ENTERTAINMENT Film GmbH, Drehbuchvertrieb, Stuttgart
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