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Erzähltechnik:
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Jede Geschichte hat zwei Aspekte: die Idee und die Ausführung. Wie in anderen Aufsätzen diskutiert, kann erstere nicht wirklich gelehrt werden. Alles was man für zweitere braucht ist Praxis... Das größte Problem, das angehende Schriftsteller zu haben scheinen, ist Tempo und Struktur. Ein zeitgenössischer Meister des Tempos und der Erzählstruktur im allgemeinen ist T.C. Boyle. Ich würde Studenten vorschlagen, seine Romane „Wassermusik" und „Worlds End" anzuschauen, um zu lernen, wie eine Szene zu schneidne und zusammenzufügen ist und wie man den Leser dazu bringt, mehr von der Geschichte zu wollen. Nichts ist dabei so effektiv und überzeugend, wie ein völliger Stop oder eine Unterbrechung der Szene. Szenen und Sätze haben beide eine eigenständige Dynamik, die anhält, auch wenn die Prosa gestoppt wurde. Die Aufladung der Szene trägt hinüber in den weißen Raum und schlüpft in die Psyche gerade wenn die nächste Szene begonnen hat. Der leichte Zeitsprung, ob er jetzt Montate, Tage, Stunden oder nur Sekunden betrifft, hat, wie ein Wechsel der Tonart in der Musik, den Effekt einer Neuausrichtung unserer Perspektive auf das, was wir lesen. Er enthält eine kurze Zusammenfassung dessen, was vorher geschehen ist, und erlaubt dem Autor, Kontrolle über die narrative Energie zu bewahren. Andere zeitgenössische Meister darin sind Tim O’Brien und Raymond Carver. Während Boyle durch Schnitt und Zusammenfügung seines Werkes großen Erfolg erzielt, welche die Illusion eines Plots hervorrufen, hat er eine Unzulänglichkeit im Schreiben von soliden, konkreten Szene, die den Leser in die Handlung hineinziehen, anstatt sie auf Distanz zu halten. Es ist diese Distanz, die Boyle jenen Raum eröffnet, um seine ungeheuerlichen verbalen Fertigkeiten zur Schau zu stellen, anstelle uns mehr darüber zu erzählen, was in einem bestimmten Moment passiert. Man betrachte dagegen Carver und O’Brien, wie eine Leser in das Geschehen gezogen wird. Gewöhnlich gesteht sich Carver nicht viel Raum zu, um seine Geschichte zu erzählen. Man denke an den Beginn von „Gazebo": „Diesen Morgen schütetet sie Teachers Whisky über meinen Bauch und leckte sie auf. Diesen Nachmittag versuchte sie aus dem Fenster zu springen. Ich sage: „Holly, das kann nicht so weitergehen. Das muß beendet werden." Wir sitzen am Sofa in einer der Suiten im Obergeschoß. Da ist eine ganze Reihe von freien Zimmern, um davon zu wählen. Aber wir brauchten eine Suite, einen Platz, um sich darin bewegen und sprechen zu können. Also hatten wir diesen Morgen das Büro des Motels geschlossen und waren hinauf in eine Suite gegangen." Genau hier hat er dich. Du bist ist im Geschehen, in der Suite mit Holly und Duane. Oder betrachten wir einen Abschnitt aus „Going after Cacciato", für das Eröffnen und das Schließen einer Szene. „Gerade Paul Berlin, der den Frieden liebte, verspürte ein Verlangen nach Aktion. Dann wurden sie eingesperrt. Es geschah nur Minuten nach der Enthauptung. Eine milder Nachmittag im Winter..." In vier Sätzen hat O’Brien eine Szene geschlossen und uns sofort in eine nächste geschleudert, indem er uns einige Häppchen serviert. Zuerst die Tatsache, daß die Leute eingesperrt wurden. Die Handlung kontrastiert den Frieden, auf den sich der Schluß des vorigen Abschnittes bezieht. Dann wird uns erzählt, daß dieses Einsperren nur Minuten nach der Enthauptung passiert ist. Damit finden wir uns in der Situation, wissen zu wollen, was mit dem Einsperren und besonders, was davor passierte. Wir sind begierig nach der Geschichte, und nach der Geschichte, die auf sie folgen wird, aber O’Brien hält uns in Schach, indem er die Erzählung herunterbremst und bis zur Enthauptung aufbaut. Er schließt den Abschnitt folgendermaßen: " Muscheln ", sagte Stink Harris. Er wollte Muscheln zum Abendessen, also gingen sie, um Muscheln zu suchen, aber stattdessen wurden sie eingesperrt. Wiederum, keine Warnung. Oscar beschuldigte Eddie, und Eddie beschuldigte Stink, der weiter auf Muscheln beharrte. " Scheiß Muscheln ", sagte Eddie auf dem Weg zum Polizeihauptquartier. Noch einmal zieht uns die geschlossene Szene in die nächste hinein; und beachte, wie die Sache der Inhaftierung diesmal heruntergespielt wird, in Kontrast zur Suche nach Muscheln serviert wird. Carver ist natürlich auch ein Meister der Stimme und des Tons, aber für rauhe Gewahlt würde ich zu Tom Jones und seinem literarischen Helden Dostojewski wechseln. Hier ist der Anfang von „Cold Snap": „Hurensohn, da ist eine kurze Kälteperiode und ich mache die Nummer in der ich alle Wasserhäne in meinem Haus rinnen lasse, und die meisten Häuser hier an der West Küste sind nichts serioses, sie haben keine Fenster die auf und zu gehen, oder Keller (welche die Hähne auf eine Weise schützen wie es so ein Kriechraum nicht kann), oder Bürgersteige vor der Tür mit ein paar netten, hoch aufragender Eichenbäume oder einem Paar Ulmen, die ein wirkliches Haus haben würde, eines dieser guten alten Häuser im Mittelwesten." Ähnlich wie in „Gazebo" wird kein wirklicher Konflikt oder Spannung präsentiert, aber nicht destoweniger werden wir weitergeführt durch die Energie und die Eindringlichkeit der Sprache. Aber für eine der größten Stimmenstücke der Literatur kommen wir nun zu Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Untergrund": „Ich bin ein kranker Mensch. Bin ein schlechter Mensch. Bin ein abstoßender Mensch. Ich glaube, ich bin leberleidend. Übrigens habe ich mir von meiner ganzen Krankheit noch nie auch nur die geringste Vorstellung machen können und weiß nicht einmal mit Sicherheit, was in mir nun eigentlich krank ist. Ich lasse micht nicht kurieren, habe das noch nie getan, obschon ich vor den Ärzten und der Medizin alle Achtung habe. Zudem bin ich noch übertrieben abergläubig, oder sagen wir: abergläubig genug, um die Medizin als Wissenschaft zu achten. (Ich bin genügend gebildet, um nicht abergläubig zu sein, bin es aber trotzdem.) Nein, mein Herr, ich mag mich aus Bosheit nicht kurieren. Das zum Beispiel werden Sie bestimmt nicht verstehen. Nun, ich aber, ich kann das verstehen. Ich werde Ihnen freilich nicht erklären können, wen ich in diesem Fall mit meiner Bosheit schikanieren will; ich weiß auch vorzüglich, daß ich selbst den Ärzten nichts damit „verpatzen" kann, wenn ich mich von ihnen nicht behandeln lasse, - oh, ich weiß es selbst am allerbesten, daß ich mit alledem nur mir allein schade und sonst niemandem. Und dennoch: wenn ich mich nicht kuriere, so geschieht das doch nur aus Bosheit. Also das Leberchen ist krank? Na, dann mag es doch von mir aus kränker werden!" Es braucht für den Erzähler nicht lange, um uns wütend zu machen und uns zu faszinieren. Das beste Beispiel eines ultimativen Romans bleibt also „Krieg und Frieden". Nicht unbedingt das beste literarische Werk, das jemals geschrieben wurde (kein einzelnes Werk kann das beanspruchen - wenn es dass könnte, warum schreiben?), aber der Inbegriff all dessen, was ein Roman erreichen kann. Es beinhält in seinem Raum das unendliche Spektrum menschlicher Erfahrung. Was könnte ein Leser mehr wünschen, als daß die Welt zu ihm gebracht wird? Aber zu erklären, warum jedes dieser Beispiele funktioniert, is unmöglich. Die Antwort ist: sie tun es einfach. Man zeigt es in der Hoffnung, dass andere sehen werden, was man selbst sieht. Wenn sie es nicht tun, dann kann nichts mehr getan werden. Sicher werden sie in anderen Werken sehen, was Sie nicht sehen. Das ist die rätselhafte, erfreuliche, unlehrbare Natur der Fiktion. Geschrieben von: Brian Fleming Brian-F@WriteMovies.com Übersetzung von: Bernd Liepold-Mosser
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