|
Juni
2002: Kölner Studie untersucht deutsche Drehbuchförderung
Die Diskussion
um das Drehbuch ist schon so alt wie der Wunsch nach guten Geschichten
fürs Kino. Eine
erste "Studie zur Autoren- und Drehbuchförderung in Deutschland" soll
dieser Diskussion neue Grundlagen
und Nahrung verschaffen. Branchenexperten äußerten ihre Meinung zum Status
quo.
Die Studie
wurde zum kostenlosen Download ins Nets gestellt:
http://www.kunstsalon.de/download/drehbuchstudie.pdf
Kommentare:
Ulrich
Limmer
Die neue Studie wurde von dem unabhängigen Journalisten und Autor Arne
Birkenstock im Auftrag des
Kunstsalons für die Staatskanzlei NRW verfasst. Obwohl die Situation im
Filmland NRW im Mittelpunkt steht,
sind die mitunter ernüchternden Ergebnisse der 150 Seiten starken Studie
von bundesweiter Relevanz. Der
Autor stellt fest, dass der Umfang der Drehbuchförderung sich bei vielen
Förderern stetig verringere und mittlerweile bei ca. einem Prozent des
Gesamtbudgets liege, wobei von allen geförderten Drehbüchern gerade mal
zehn Prozent verfilmt würden.
Wenig hilfreich sei in diesem Zusammenhang, dass die Förderanstalten sich
in einem unproduktivem Zersplitterungswettbewerb befänden. Angeregt wurde
eine stärkere Zusammenarbeit der Fördergremien, um im
Spitzenbereich Wirkung zu erzielen. Dabei müsse eine flexiblere und differenziertere
Handhabung der
Drehbuchförderung erfolgen. Als einen Schritt in die richtige Richtung
nannte Birkenstock die
Bereitstellung von Referenzmitteln für die Autoren erfolgreich verfilmter
Drehbücher. Wie fruchtbar der
Boden ist, auf den die Untersuchung fällt, zeigte sich bei dem an die
Vorstellung der Studie anschließenden
Panel mit Fachleuten aus der Filmbranche. Ulrich Limmer, gleichermaßen
Autor und Produzent ("Das
Sams"), verwies auf die zu geringen Mittel, die namhafte Drehbuchautoren
davon abhielten, vom
lukrativen Fernsehgeschäft zum oftmals schlechter entlohnten Kinofilm
zu wechseln.
Hannes Jaenicke
Der Schauspieler und Autor Hannes Jaenicke monierte, dass die Studie zu
sehr nach den USA schiele, statt
vergleichbare Länder wie Frankreich oder vor allem England unter die Lupe
zu nehmen. Gerade auf der Insel
herrsche eine unglaubliche Autorendichte, während es in Deutschland nicht
nur an der Erzählkultur, sondern
auch an der Leidenschaft fürs Kino mangle.
Überaus fruchtbar gestalte sich laut Torsten Reglin bei der Deutsche Columbia
Pictures Filmproduktion die
Zusammenarbeit mit der Konzernmutter in den USA. Von dort unterstützen
amerikanische Coaches die deutschen
Autoren. So verbinde man deutsche Stoffe mit dem nötigen Know-how Hollywoods.
Simone Stwens
Simone Stewens, Leiterin der FilmSchule Köln, vermisst bei vielen deutschen
Produktionen das nötige Geld und
die entsprechende Sorgfalt, um Drehbüchern den letzten entscheidenden
Schliff zu geben, der sie kinotauglich
werden lässt.
Thomas Bauermeister
Für eine stärkere Vernetzung zwischen BKM und den Fördergremien plädierte
Thomas Bauermeister vom
Verband Deutscher Drehbuchautoren.
Länderübergreifender und flexibler, da waren sich alle einig, müsse die
Förderung werden, um dem Kinodrehbuch
in Deutschland aus dem Dämmerzustand herauszuhelfen.
Quelle: Blickpunkt:Film
|