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Struktur! Struktur! Struktur!

von Brian Fleming

Sie haben eine Filmidee. Mit Charakteren, die in Ihren Gedanken lebendig werden, und einem Konzept, dass Produzenten fiebern lässt. Und vielleicht finden Sie sogar jemanden, der Ihnen die Option abkauft. Und was dann? Dann schreiben Sie das Drehbuch, natürlich. Aber wie lässt sich eine Idee in 120 Normseiten pressen, so dass jemand tatsächlich bereit ist, diesen Film mit mindestens sechs Figuren zu besetzen? Anders gesagt: Was macht ein Drehbuch filmreif?

Eine weitverbreitete Fehleinschätzung, besonders bei Roman- oder Drehbuchautoren, die für "intelligente" (oder französische) Filme schreiben wollen, ist die Meinung, gute Filme würden vom Dialog getragen. Falsch. Obschon es manch großartige dialoglastige Filme gibt (siehe "Swingers", "Diner", sogar auf seine Weise "Pulp Fiction"), ist guter Dialog alleine weder eine notwendige noch eine ausreichende Voraussetzung für erfolgreiche Filme. Sehen Sie nur den kürzlich erschienen Film mit Tom Hanks "Cast Away": 75 lebhafte und dramatische Minuten ohne kaum ein gesprochenes Wort. Gleichsam der erste "Rocky", ein exzellenter Film aber nicht gerade berühmt für seinen Wortreichtum.

Auch wenn der Dialog eines der besten Mittel ist, Charaktere und Kernfrage eines Films zu übermitteln, sollte der Autor sich nicht dazu hinreißen lassen, endlose Seiten ununterbrochenen Dialoges zu schreiben, egal wie amüsant dieser sein möge - Lektoren neigen in solchen Fällen dazu, frühzeitig aus dem Manuskript auszusteigen. Das gleiche gilt für ausgefeilte, endlos lange Regieanweisungen.
"Aber die Schauspieler und Kameraleute brauchen Regieanweisungen", werden die Qualitätsbewussten nun schreien. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Wie auch immer, Sie werden nicht für schauspielerische Leistung bezahlt und schon gar nicht für die Kameraarbeit. (Wenn Sie Kameraeinstellungen in Ihr Drehbuch einfügen wollen, bedenken Sie, dass sich kein Regisseur gerne die Arbeit aus der Hand nehmen lässt.) Was Sie verkaufen ist das Drehbuch, das ist Ihre Profession.

Charaktere sind durch Dialog und Action darzustellen, ist das die Antwort? Ist es das, was Tarantino mit "Pulp Fiction" tat? Ja, das ist es, doch das selbe tat er mit "From Dusk Till Dawn" und ich gebe jedem hundert Dollar, der es schafft, diesen Film anzuschauen ohne mit ihm oder ihr mitzufühlen.

Action ist gut. Action ist wichtig, aber Sie müssen sich nicht viele Blockbuster ansehen, um zu erkennen, dass die Action darin nicht den Erfolg ausmacht, selbst wenn sie als Aufhänger fungiert. Und nicht alle Actionfilme sind erfolgreich. Denn entgegen der Meinung vieler Filmemacher und auch Drehbuchautoren sind die Zuschauer nicht blöd. Sogar ein actiongeladener, teurer Hollywood-Blockbuster kann die Zuschauer nicht begeistern und zum Wiederkommen bewegen (Mehrfachseher sind der Traum eines jeden Produzenten), wenn der Zuschauer nicht das Gefühl hat, eine Geschichte gesehen zu haben; ein komplette Geschichte mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende, und nicht nur eine Ansammlung von Actionszenen, vollgestopft mit geistlosen, austausch- und verwechselbaren Charakteren. Das ist z.B. der einzige Grund, mit dem ich mir den großen Erfolg von "Titanic" erklären kann. Selbst mit dieser bescheidenen Story, den simplen Dialogen und der überzogenen Handlung, erfüllte der Film unser Bedürfnis, eine Geschichte erzählt zu bekommen; eine Geschichte, welche insbesondere Frauen in Massen hineinzog, in diesen mit Spezialeffekten überladenen Film, den sie ansonsten nie besucht hätten.

Also, was lässt eine Story funktionieren, sogar eine schlechte wie "Titanic"? Was schweißt Dialog, Action und Handlungsverlauf zusammen zu dem "Großen Ganzen"? Was gibt dem offenkundigen Vorbild "Star Wars" (ungeachtet des fürchterlichen Manuskripts) die Kraft und Stärke, die es hat? Die Struktur. Denn ohne Struktur verkümmert eine Geschichte zur Erzählung eines Traums, den man in der Nacht zuvor gehabt hat. Denn Struktur ist der wahre Grund, warum uns Geschichten wichtig werden. Ohne Struktur endet eine Geschichte in alltäglicher Belanglosigkeit, die wir gewiss nicht im Kino sehen wollen. Egal, ob wir Filme sehen um zu flüchten, zu erschauern, uns zu verlieben oder um unseren Geist zu fördern - wir wollen etwas erleben, was uns unser eigenes Leben nicht bieten kann.

Schön und gut, aber was genau ist Struktur und wie errichtet man sie? Im Grunde könnte man sagen, dass die Struktur den drei Akten entspricht, aber das reicht nicht. Die Struktur ist wie Sprache, sie ist organisch. Sie müssen dafür ein Gefühl entwickeln, so wie Komiker ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt haben müssen. Dies beinhaltet das Wissen darum, welche Szenen miteinander harmonieren, und wie lange eine Szene sein darf, bevor ein Schnitt zu einer kontrastierenden Szene notwendig wird. Struktur hat damit zu tun, genau zu wissen, an welcher Stelle eine Szene geschnitten wird und worauf geschnitten wird, zu wissen, welche Szenen gegeneinander und welche miteinander wirken; ähnlich wie der Rhythmus in einem Musikstück; Struktur hat damit zu tun, wie Szenen angelegt sein müssen, um ein zusammenhängendes Ganzes zu ergeben. Und dennoch, es gibt keine strikten Gesetze, wie Struktur umzusetzen wäre, auch wenn Drehbuchspezialisten stets Dinge lehren wie: "Beginne eine Szene so spät wie möglich."

Schließlich gibt es aber doch eine Logik. Und zwar eine innere Logik wie die der Sprache. Wenn Sie sich Ihre eigene Sprache zurechtlegen mit ihrer eigenen Grammatik, so mag das für Sie einen Sinn ergeben, aber macht es auch Sinn für andere? Das gleiche gilt für die Struktur. Andererseits ist die Grammatik eine Funktion der Sprache, sie existiert lediglich zum besseren Verständnis, sie ist nicht bindend. Gleichbedeutend heißt dies, dass die Struktur aus der Geschichte erwachsen muss, sie muss die Spannung halten bis zum Schluss, muss Antizipation zulassen und gleichzeitig Überraschungen bereit halten, bis sich schließlich alle Puzzleteile wie selbstverständlich zusammenfügen zum "Großen Ganzen".

Dies führt zur abschließenden Frage: wie macht man das?
Doch das müssen Sie selber herausfinden.

Brian Fleming (c) 2001

Brian war Teilnehmer beim "Iowa Writers' Workshop" und ist Autor von: "CURVES & BENDS & CARS THAT WON'T COME FAST", veröffentlicht bei Phoenix Press.



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